Radiologische Praxisgemeinschaft
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Strahlen die von innen kommen

Mit Hilfe der Nuklearmedizin, auch Szintigrafie genannt, lassen sich nahezu alle inneren Organe darstellen. Die Szintigrafie heißt so nach den griechischen Worten "szinti" für "Lichtblitz" und "gramm", was soviel wie "schreiben" bedeutet.

Untersuchungen der Schilddrüse sind das mittlerweile klassische Anwendungsbeispiel dafür. Außerdem wird die Szintigrafie auch genutzt, um genauere Angaben über die Beschaffenheit von Gehirn, Nieren, Lungen, Knochen und Gelenken und auch des Herzmuskels zu gewinnen.

Wir setzen die Myokard-Szintigrafie bei entsprechendem Verdacht aber auch als Vorsorgeuntersuchung des Herzens ein. Dabei haben wir eine überraschende und auch bestürzende Feststellung machen müssen: Bei vier von jeweils zehn Patienten waren Bereiche des Herzmuskels infolge Koronarsklerose (das ist die "Verkalkung" der Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel versorgen) zu gering durchblutet – obgleich das EKG des Hausarztes bei ihnen noch eine ganz normale Herzfunktion angezeigt hatte.

Die Patienten hatten vor der Untersuchung nicht gewusst, dass ihr Infarktrisiko erhöht war!

Das Szintigramm offenbarte nicht nur diese Gefahr, es eröffnete darüber hinaus auch noch rechtzeitig einen Ausweg:

Gezielte Behandlung durch den Arzt und gesundheitsbewusstes Verhalten besserten den Zustand des Herzens und konnten Schlimmeres verhindern.

Diese Chance hat jedermann, der sein Herz mit Hilfe der Myokard-Szintigrafie vorsorglich untersuchen läßt.

Die Strahlenbelastung eines Patienten bei einer Szintigrafie wie bei der Myokard-Szintigrafie ist in der Regel nicht größer als jene, die bei einer entsprechenden Röntgenuntersuchung auftritt, oftmals sogar noch geringer. In diesem Zusammenhang muss zudem bedacht werden, dass mit Hilfe der Szintigrafie in bestimmten Fällen bereits dann krankhafte Veränderungen erkannt werden können, wenn andere Untersuchungsmethoden noch keinerlei Gesundheitsstörungen erkennen lassen.

So funktioniert die Szintigrafie: Das Besondere an dieser Untersuchungsmethode ist die Herkunft der Strahlung. Sie wird nicht von außen in den Körper gesandt, sondern gelangt aus dem Inneren des Körpers nach außen. Die Quelle dieser Strahlung sind schwach radioaktive Substanzen, sogenannte Radionuklide. Sie werden den Patienten zumeist injiziert, seltener werden sie geschluckt oder eingeatmet. Im Körper sammeln sich die Radionuklide in bestimmten Organen an. Sie verwandeln sich im Laufe relativ kurzer Zeiten in nicht mehr radioaktive Stoffe – und geben in der Zwischenzeit Strahlung ab. Diese dringt aus dem Inneren durch die Haut nach außen, wird von einer Spezialkamera empfangen, vom Computer elektronisch aufbereitet und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht.

So geht die Untersuchung vor sich:

Den Anfang macht ein Belastungs-EKG auf dem Fahrrad-Ergometer. Während der Patient kräftig in die Pedale tritt, muss mehr Blut durch die Kranzgefäße in seinem Herzen fließen als im Ruhezustand, um mehr Sauerstoff für die Muskelzellen heran zu schaffen. Nach etwa zehn Minuten wird ihm in die Armvene eine Lösung injiziert (Technetium -99 m), die später durch schwache Strahlung dafür sorgt, dass die Darstellung des Herzens möglich ist. Auf die Spritze folgt eine Pause. Während der Patient etwa eine Stunde lang ruht, kreist die Lösung mit dem Blut durch den Körper, bis es sich über eine spezielle Substanz im Herzen angereichert hat.

Jetzt beginnt die eigentliche Untersuchung. Der Patient liegt in der Bauchlage flach auf dem Untersuchungstisch. Eine sogenannte Gammakamera schwebt über ihm und empfängt die schwachen radioaktiven Signale, die die Technetium-99 m-Lösung aus dem Herzmuskel aussendet. Dabei schwenkt die Gammakamera für insgesamt 32 Einstellungen um 180 Grad um den Patienten. In jeder Position verweilt sie eine Minute, registriert während dessen eine ganze Flut von Impulsen und leitet diese an einen Computer weiter, der die Signale verstärkt und verarbeitet und schließlich die Abbilder aus dem Herzmuskel auf einem Monitor erscheinen läßt. Stunden oder Tage später wird dieselbe Untersuchung ohne Belastungs-EKG vorgenommen, um auch den Zustand des Herzmuskels in Ruhe zu erfassen und beide Szintigramme vergleichen zu können.

Die so gewonnene Darstellung der Verteilung des Technetium-99 m erlaubt höchst aufschlussreiche Einblicke in den Herzmuskel, die der Computer auf Wunsch sogar in Farbe liefert. Gut durchblutete Bereiche erscheinen rot, schlechter versorgte gelb, grün oder blau, je nach dem Ausmaß der Minderdurchblutung. Damit auch kein Detail übersehen wird, läßt sich auf dem Bildschirm das Herz um alle Achsen drehen und sogar durch horizontale und vertikale Schnitte in Scheiben zerlegen.

"Das Szintigramm entdeckt erhöhtes Infarktrisiko – lange vor dem EKG!"
Dr. T. Winter, Radiologe und Nuklearmediziner

Die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) stand bis vor kurzem nur für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung. Jetzt findet sie Einzug in die radiologisch-nuklearmedizinischen Praxen, denn ohne PET ist eine optimale Diagnostik nicht mehr möglich.

Bei der PET nutzt man die Erkenntnis, dass bestimmte krankhafte Veränderungen einen wesentlich höheren Zuckerstoffwechsel aufweisen. Durch die rasanten Fortschritte in der Computertechnik gelingt es nun, diese Regionen mit erhöhtem Zuckerstoffwechsel bildlich darzustellen.

Dazu bedient man sich einer Zuckerlösung, die mit einem schwach radioaktiven Element, dem Fluor 18, angereichert ist. Diese Lösung wird in den Blutkreislauf eingespritzt und mit dem Blutfluss im gesamten Körper verteilt. Dort, wo ein erhöhter Zuckerstoffwechsel stattfindet, wird sie für eine kurze Zeit vermehrt angereichert. Diese Anreicherung sieht der Arzt dann als "bunten Herd" oder, medizinisch gesprochen, "Aktivität" in der Messung.

Das eigentlich Revolutionäre bei der PET ist dabei, dass ein bösartiger Tumor nicht nur diagnostiziert werden kann, sondern – neben seiner Größe und Ausbreitung – auch und insbesondere Tochtergeschwüre (Metastasen) im gesamten Körper dreidimensional dargestellt werden können.

Mit diesen Erkenntnissen kann
die weitere Behandlung
wesentlich genauer geplant und kontrolliert werden.

So können die Erkenntnisse dazu dienen, eine Entscheidung für die weiteren therapeutischen Schritte, wie einer Chemotherapie oder Operation, zu fällen. Auch sind bereits 14 Tage nach einer Chemotherapie Aussagen darüber möglich, ob die Therapie erfolgreich war oder weitergeführt werden muss. Das kann im Zweifelsfalle helfen, eine sinnlose Chemotherapie mit schwerwiegenden Nebenwirkungen zu vermeiden.

Durch eine PET können bösartige Tumore mit einer über 90%-igen Genauigkeit erkannt werden!

Wie steht es mit der Strahlenbelastung?
Das Ausmaß der Strahlenbelastung durch eine PET-Untersuchung ist etwa ebenso groß ist wie die jährliche natürliche Strahlenbelastung in Deutschland oder wie bei einem Transatlantik-Flug oder bei einem 2wöchigen Ski-Urlaub im Hochgebirge. Also nichts, was für den Körper ungewöhnlich ist.

Wann macht man denn eigentlich eine PET?
PET wird eingesetzt bei Untersuchungen des Gehirns, des Herzens, von Entzündungsherden unbekannten Ursprungs und von Tumoren. Mit einer PET kann mit höchster Sicherheit zwischen gutartigen und bösartigen Veränderungen unterschieden werden, wenn ein verdächtiger Befund in einem anderen bildgebenden Verfahren nicht sicher differenziert werden kann.

Durch eine PET-Untersuchung lassen sich die Fragen "Habe ich Krebs?" (Vorsorge) und "bös- oder gutartig?" mit hoher Sicherheit klären.

Besonders empfiehlt sich die PET bei der Untersuchung von Leber-, Lungen-, Brust- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Aber auch bei anderen Tumoren aus dem HNO-Bereich, bei Hautkrebs und Bauchspeichelrüsenkrebs ist die PET hilfreich.

So geht die PET-Untersuchung vor sich:

Für die Untersuchung müssen Sie nüchtern sein. Die letzte Mahlzeit sollte mindestens 8 Stunden zurückliegen. Kalorienfreie Getränke wie Wasser oder ungesüßten Tee dürfen Sie gerne weiterhin trinken. Ihre alltägliche Medikation nehmen Sie ganz normal weiter, Patienten mit Diabetes mellitus dürfen auch ihre normalen Zwischenmahlzeiten vor der Untersuchung zu sich nehmen.

Vor der Untersuchung müssen Sie zunächst ca. 10 min auf einer Liege liegen, damit der Zuckerstoffwechsel in Ihrer Muskulatur zur Ruhe kommt.

Dann wird Ihnen eine geringe Menge des radioaktiv markierten Zuckers in eine Vene eingespritzt. Zahlreiche Messungen sind nötig, um eine Untersuchung von "Kopf bis Fuß" durchzuführen, woraus sich die zum Teil recht langen Untersuchungszeiten von 1 Stunde und mehr ergeben. Die Messungen erfolgen in manchen Fällen sofort, in anderen Fällen erst nach einigen Minuten oder sogar Stunden, je nachdem wann oder wie schnell die Substanzen das Organ, das untersucht werden soll, erreichen oder durchfluten. Dieser Ablauf wird vorher genau mit Ihnen zusammen geplant.

Bringen Sie ein wenig Geduld mit!

Wegen der geringen Mengen radioaktiver Stoffe, die verwendet werden, können die einzelnen Messungen 10 bis 60 Minuten lang dauern. Während dieser Messungen dürfen Sie sich nur so wenig wie möglich bewegen, damit die Aufnahmen nicht verwackeln. Schon zu große Atembewegungen können die Aufnahmen stören.

Die Untersuchung einer Region dauert etwa 30 Minuten, eine Ganzkörperuntersuchung dauert etwa 60 Minuten. Sie werden für diese Untersuchungszeit möglichst bequem gelagert. Sie sind nach der Untersuchung in keiner Weise subjektiv oder objektiv beeinträchtigt.


Hauptmenü   Vorwort Dr. Dörflinger

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